Die Arbeit des Hufschmieds

Etwa alle 8-10 Wochen braucht ein beschlagenes Pferd neue Hufeisen. Bei Julie war es am 1. April soweit und ich will euch hier mal die ganze Arbeit des Hufschmieds erklären. Wenn ihr Gelegenheit habt, einmal dabei zu sein, müsst ihr das unbedingt machen. Unser Hufschmied kommt aus Wiesendangen und heisst Urs Teuscher. Normalerweise halte ich für ihn die Hufe auf, damit er arbeiten kann. Da wir aber die Abstandregel von 2 Meter nicht einhalten könnten, hat er dieses Mal seinen Lehrling mitgenommen um die Hufe von Julie zu halten.

 

Bei diesem Foto seht ihr, wie die alten Hufeisen von Julie abgenommen werden. Dazu muss man zuerst die Nägel aufbiegen und dann mit einer grossen Zange das Hufeisen weghebeln.

Seit dem letzten Besuch von Urs sind Julies Hufe ziemlich stark gewachsen. Wieviel ein Huf wächst, ist bei jedem Pferd unterschiedlich. Er kann bei Julie mehrere Zentimeter abschneiden. Dafür nimmt er eine Hauklinge und danach ein spezielles Hufmesser. Er achtet genau darauf, dass Julie nach dem Schneiden immer noch gerade auf dem Boden steht. Es kommt auch auf den Winkel an, wie Julies Huf wächst und wie sie abrollt beim Laufen. Beim Ausschneiden kommt das schöne Muster zum Vorschein, das Julie in ihrem Hufhorn hat.

Das ist eine "Scheibe" von Julies Huf, die Urs abgeschnitten hat. So grosse Hufe!

Während die Hufe geschnitten werden, warten schon die Hufeisen im Ofen und werden langsam glühend orange. Sobald sie so richtig heiss sind, können sie auf dem Amboss bearbeitet werden. Dafür braucht der Hufschmied ein sehr gutes Augenmass. Er muss nämlich die Form des Hufeisens der Form des Hufes anpassen. Das braucht viel Übung und Erfahrung.

Um zu testen, ob das Hufeisen auch wirklich passt, wird es noch heiss auf das Huf gehalten. Das stört Julie nicht, auch wenn es nach verbranntem Horn stinkt und raucht. Bevor die Hitze durch das Huf dringt und Julie sie spüren würde, nimmt Urs das Hufeisen schon wieder weg. Aber nun sieht er, wo es passt und wo er noch nachbessern muss. Sobald er zufrieden mit der Form ist, wird es in einem Wasserkübel abgekühlt. So werden alle 4 Hufeisen dem jeweiligen Huf genau angepasst.

Wenn alle Hufeisen fertig abgekühlt sind, werden sie aufgenagelt. Viele Leute haben das Gefühl, dass das dem Pferd Schmerzen bereitet. Das ist aber nicht der Fall. Julie hält auch hier schön still und Urs achtet genau darauf, dass der Nagel nur durch den Teil des Hufhorns geht, der keine Nerven hat. Der Nagel ist eckig, so hält er besser als ein runder. Er wird von unten nach schräg oben durch die Löcher des Hufeisens in das Horn geschlagen, so dass er auf der Seite vom Huf in der Hufwand wieder raus kommt. Auch diese Arbeit braucht vom Hufschmied viel Gespür und Erfahrung. Zum Schluss werden die Nagelspitzen, die bei der Wand raus schauen "umgefaltet". Dieser Arbeit sagt man "nieten". Mit dem Nieten hält der Nagel fest im Huf und kann nicht mehr rauskommen. So, jetzt ist Julies Huf fertig. Es wird zum Schluss noch schön gefeilt, damit nirgends etwas absteht und einreissen kann. Siehst du die Nägel? Es hat nicht in jedem Loch einen Nagel! Die Nägel müssen nämlich immer in der vorderen Hälfte des Hufs sein, so dass es sich beim Abstehen immer noch gut bewegen kann und nicht eingeengt wird. Dieser Hufbewegung beim Abstehen sagt man Hufmechanismus.

Jetzt wundern wir uns nicht mehr, dass man 4 Jahre lernen muss, wenn man Hufschmied werden möchte.